AktuellesBerufsfachliche / Berufspolitische Informationen für unsere Mitglieder

  • Die Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen, besonders die Pflegefachpersonen sind u. a. aufgrund von Ausbruchsgeschehen in ihren Einrichtungen stark belastet. Es gibt Arbeitgeber im Bereich der professionellen Pflege, die ihren Mitarbeitenden z. B. Supervisionsangebote zur Verfügung stellen. Wenn Sie zusätzliche Unterstützung suchen, finden Sie bei der Berufsgenossenschaft BGW kostenfreie „Angebote zur Krisenbewältigung“: https://www.bgw-online.de/DE/Arbeitssicherheit-Gesundheitsschutz/Psyche-und-Gesundheit/Corona-Telefon-Krisenberatung_node.html.
    Auch die Sozialpsychiatrischen Dienste in Bayern (SpDi) bieten niedrigschwellig gezielte Beratung an für Menschen, die mit psychischen Problemen oder seelischen Notsituationen konfrontiert sind, für deren Angehörige und das soziale Umfeld, sollte in Ihrer Umgebung Bedarf sein. Die bayernweite Suchfunktion finden Sie unter: https://www.sozialpsychiatrischedienste-bayern.de (letzter Aufruf: 29.03.2021).
  • Der neue Bayerische Staatsminister für Gesundheit und Pflege Herr Holetschek hat Eckpunkte für eine Pflegereform vorgelegt.
    I.Pflegebedürftige unterstützen
    Ein Drei-Säulen-Modell mit pflegerischer Vollkostenversicherung ist geplant: Es soll drei Budgets geben, die in der Höhe gestaffelt nach Pflegegrad entweder für qualitätsgesicherte Leistungen, für geregelte Leistungen oder für reglementierte Leistungen in Anspruch genommen werden können. Die Kosten der Behandlungspflege sollen von der Pflegeversicherung in voller Höhe getragen werden. Bei langen Pflegeverläufen soll die Pflegeversicherung die Kosten der Pflege und Betreuung nach einer bestimmten Zeit vollständig übernehmen. Die Kosten der Ausbildung in der Langzeitpflege sollen künftig allein von der Pflegeversicherung getragen werden. Diese refinanziert sich wiederum über einen Steuerzuschuss.
    II. Pflegepersonal fördern
    Es soll steuerliche Vergünstigungen für Pflegepersonal geben. Den Pflegeberufen soll ein attraktives Aufgabengebiet eröffnet werden. Primärqualifizierende Pflegestudiengänge sollen ausgebaut werden und im Pflegeberufegesetz ein gesetzlicher Anspruch auf Ausbildungsvergütung für die Absolventen dieser Studiengänge geschaffen werden.
    III. Versorgung weiterentwickeln
    Die Entscheidungskompetenzen der örtlichen Ebenen müssen gestärkt werden. Die ambulante Versorgung und die Kurzzeitpflege sollen weiter gestärkt werden.Der Bayerische Landespflegerat (BLPR) begrüßt den Vorstoß von Staatsminister Holetschek, einen Reformplan für die Pflege aufzulegen, der unter anderem die Stärkung der Pflegeberufe im Blick hat. Im Detail sind die Eckpunkte jedoch enttäuschend, da lediglich die Aneinanderreihung von Einzelmaßnahmen sichtbar wird. Eine grundlegende Reform der Strukturen ist jedoch notwendig, um wirkliche Verbesserungen zu erzielen. Hier finden Sie bei Bedarf die komplette BLPR-Pressemitteilung:
    https://www.caritas-gemeinschaft-bayern.de/download/blpr-begruesst-holetscheks-reformplan-fuer-pflege/?wpdmdl=3285&refresh=6062ea3ce3b2a1617095228 (letzter Aufruf 30.03.2021).
  • Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) hat die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) beauftragt, die von uns und dem Bayerischen Landespflegerat (BLPR) seit vielen Jahren geforderte Monitoring-Studie durchzuführen. Ziel ist es, eine regional aufgeschlüsselte Datenbasis zur Situation der Pflege zu generieren, um daraus Maßnahmen für eine zukunftsfähige pflegerische Versorgung ableiten zu können. Im Rahmen dieser Erhebung wurden bereits in einem ersten Schritt frei verfügbare Daten zu Pflegebedarf, Pflegepersonal, Arbeitsmarktsituation, Versorgungsstrukturen und demografischer Entwicklung erfasst und zusammengeführt. Im jetzigen zweiten Schritt werden alle Versorgungseinrichtungen und Pflegeschulen befragt, um die Aussagekraft der statistischen Daten deutlich zu erhöhen. Wir begrüßen es sehr, dass unsere Anregung endlich aufgegriffen wurde, und dass mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) ein renommiertes Institut mit der Durchführung der Studie betraut wurde. Mit folgenden Zugangsdaten können Sie an dieser für unseren Berufsstand wichtigen Studie bis 15.04.2021 teilnehmen:
    • Stationäre Pflege: https://ww3.unipark.de/uc/VdPB_stat_Pflege/Passwort: StationärePflege-Bayern2021
    • Ambulante Dienste: https://ww3.unipark.de/uc/VdPB_amb_Dienste/
      Passwort: AmbulanteDienste-Bayern2021
      Der Fragebogen umfasst 5 ½ Seiten und die Beantwortung dauert ca. 20-30 Minuten. Bei Fragen oder weiterem Informationsbedarf melden Sie sich gerne in unserer Geschäftsstelle, bei Bedarf senden wir Ihnen die ausführlichen Schreiben von DIP/VdPB dann gerne zu. Über die Ergebnisse werden wir Sie informieren, sobald diese vom StMGP veröffentlicht werden.
  • Das Projekt „Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege (GAP)“ des Bevollmächtigten der Bundesregierung für Pflege Staatssekretär Andreas Westerfellhaus ist gestartet und soll kleine und mittelständische Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen unterstützen, ihre Arbeitsprozesse hinsichtlich der Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf kritisch zu hinterfragen und zu verbessern. Interessierte Einrichtungen können sich gerne noch zur Teilnahme anmelden. Weitergehende Informationen finden Sie unter gap-pflege.de (29.03.2021).
  • Der Deutsche Pflegerat (DPR) und die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) weisen eindrücklich auf den massiven Einbruch der Studierendenzahlen hin. Weniger als 50 % der vorhandenen Studienplätze für die hochschulische Ausbildung von Pflegefachpersonen sind aktuell belegt. Gründe dieser besorgniserregenden Entwicklung liegen u. a. in der unzureichenden Regelung im Pflegeberufegesetz auf die wir bereits mehrfach hingewiesen haben. Besonders hervorzuheben sind hier die fehlende Vergütung der Praxiseinsätze und die fehlende Refinanzierung der Praxisanleitung. Diese Entwicklung gefährdet die von uns lange geforderte Professionalisierung der Pflegeberufe! Die DPR-Pressemitteilung dazu finden Sie unter: https://deutscher-pflegerat.de/2021/03/30/hochschulische-pflegeausbildung-bricht-ein/ und das gemeinsame Statement von DPR und DGP finden Sie unter: https://deutscher-pflegerat.de/wp-content/uploads/2021/03/Gemeinsames-Statement-DGP-und-DPR_Prim%C3%A4rqualifizierende-Pflegestudieng%C3%A4nge_2021-03-30.pdf (letzter Aufruf 30.03.2021).
  • Aktuelles zur pflegerischen Selbstverwaltung: Derzeit gestaltet sich der Aufbau der Pflegekammern holprig, was u. a. an den unerwarteten und für die Profession Pflege ungünstigen Entwicklungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen liegt. Aktuelle Informationen gibt es aus folgenden Bundesländern:
    • Schleswig-Holstein: Die stimmungsberechtigten Mitglieder der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein haben in großer Zahl an der durch einen Landtagsbeschluss (19/1877) herbeigeführten Abstimmung teilgenommen. Das Ergebnis: 92 % der befragten Mitglieder haben für eine Auflösung der Kammer gestimmt. Die Landespolitik wird sich nun mit dem Votum auseinandersetzen. Aus unserer Sicht und der Sicht des Deutschen Pflegerats ist das ein „schwarzer Tag für die Profession Pflege“.
    • Niedersachsen: Die Landesregierung hat das Kammergesetz geändert und Mittel zur Verfügung gestellt, so dass die Pflegekammer Niedersachsen nun allen Mitgliedern, die für das Beitragsjahr 2018 und/oder 2019 einen Mitgliedsbeitrag gezahlt haben, ihren Beitrag erstatten muss. Hintergrund dazu ist das Vorhaben der Regierung die seit drei Jahren bestehende Pflegekammer aufzulösen. Ein Gesetzentwurf liegt dazu vor.
    • Nordrhein-Westphalen: Im September 2020 wurde der Errichtungsausschuss berufen. Den Vorsitz hat Sandra Postel, die bis dahin in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz stellvertretende Vorsitzende war. Der Errichtungsausschuss bereitet nun die erste Kammerwahl vor und bereitet die Strukturen für das künftige Wirken der Pflegekammer vor.
    • Rheinland-Pfalz: die Kammerwahl wurde pandemiebedingt auf Juli 2021 verschoben.
    • Baden-Württemberg: Pandemiebedingt wurde der vorliegende Gesetzentwurf nicht mehr weiter bearbeitet. Die Regierung äußerte sich, dass es weiterhin ein erklärtes politisches Ziel für die nächste Legislaturperiode bliebe, den Pflegefachkräften in Baden-Württemberg mit der Pflegekammer eine starke Stimme zu geben. Nun hat die Wahl stattgefunden und das Land befindet sich noch in der Regierungsbildungsphase.
  • Buchempfehlung: Quernheim, German; Zegelin, Angelika (2021). Berufsstolz in der Pflege. Das Mutmachbuch. Hogrefe Verlag, Bern. Preis: 39,95 € – kostenfrei ausleihbar aus unserer Caritas-Gemeinschafts-Bibliothek. Inhalt: Das Buch zeigt, wie wichtig Berufsstolz für Pflegende in der Ausbildung, Lehre und Praxis ist. Die Autoren klären, welche Mechanismen und Strategien helfen, um diese Haltung zu entwickeln. Sie beschreiben die Facetten des Berufsstolzes mit Identität, Individualität, Leidenschaft, Mut, Selbstwert, Sinnhaftigkeit, Wissen und Bildung. Die Inhalte stärken professionell Pflegende und machen ihnen Mut, gegen chronische Belastungen und ethische Dilemmata aktiv vorzugehen und unwürdige Situationen zu ändern. Arbeitsporträts und Berichte aus der Praxis bieten konkrete Rollenmodelle und Umsetzungstipps. Die Autoren vermitteln die Grundlagen der Lobbyarbeit im Pflegeberuf. Sie zeigen Pflegenden, wie sie sich erfolgreich darstellen können und Selbstbewusstsein nach außen vermitteln und verkörpern können. Berufsstolz lässt sich in der Pflege nicht verordnen, anlesen oder kaufen. Aber die Autoren machen Mut. Sie geben konkrete Anweisungen und zeigen Pflegenden den Weg, wie sie mehr Berufsstolz entwickeln und Freude am zentralsten aller Empathie-Berufe gewinnen oder wiederbeleben können.

München, 30.03.2021        Claudia Hauck