AktuellesBerufsfachliche / Berufspolitische Informationen für unsere Mitglieder

– PFLEGE Aktuell Spezial –

Pflegeberufegesetz (PflBG)

  • Aktueller Stand: Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflAPrV) sowie die Finanzierungsverordnung (PflAFinV) wurden Ende September 2018 vom Bundesrat verabschiedet. Die befürchtete Absenkung der Kompetenzanforderungen für den neuen besonderen Abschluss Altenpflege wurde von den politischen Kräften durchgesetzt. Wir sehen darin eine Schwächung der Berufsgruppe durch das Auseinanderdividieren der unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen mit gleichzeitiger Absenkung der Anforderungen. Die zukünftigen nach dem neuen Gesetz ausgebildeten Altenpflegenden werden schlechter gestellt sein, da ihr Kompetenzkatalog ein unterschiedliches Niveau aufweist zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann. So haben künftige Altenpflegende z. B. kaum Chance auf gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit. Wir werden uns weiter für gleichwertige Abschlüsse einsetzen!Der Bundesrat hat in seinem Beschluss ausdrücklich auf diese Problematik hingewiesen und in seiner Entschließung gefordert, diese einseitige Absenkung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt aufzuheben und bereits jetzt flankierend geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die sich abzeichnende Benachteiligung für den Beruf und das Arbeitsfeld der Altenpflege zu minimieren.“ (Bundesrat Drucksache 355/18, S. 2; Eine Entschließung ist eine rechtlich nicht bindende Aufforderung an die Regierung.) Aktuell können wir deshalb nur den Abschluss Pflegefachfrau/Pflegefachmann empfehlen.
  • Das PflBG im Überblick: Die Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann vermittelt die notwendigen Kompetenzen zur selbständigen, umfassenden und prozessorientierten Pflege von Menschen aller Altersstufen in akut und dauerhaft stationären sowie ambulanten Pflegesituationen (§ 5 PflBG).
    Neue Berufsbezeichnung (§ 1 PflBG): Pflegefachfrau/PflegefachmannVorbehaltsaufgaben sind nicht delegierbar. Eine Nichtbeachtung wird mit einer Geldbuße geahndet werden (§ 57 PflBG).

    Bestandsschutz (§ 64 PflBG):
    alle Pflegefachpersonen mit einem anerkannten Abschluss nach dem bis 31.12.2019 geltenden Altenpflegegesetz bzw. Krankenpflegegesetz haben dieselben Rechte und Pflichten wie die Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner nach § 1 PflBG.Vorbehaltene Tätigkeiten (§ 4 PflBG): dürfen nur von Pflegefachfrauen und Pflegefachmännern (nach § 1 PflBG) durchgeführt werden:
    – Die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarf
    – Die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses
    – Die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege
    Vorbehaltsaufgaben sind nicht delegierbar. Eine Nichtbeachtung wird mit einer Geldbuße geahndet werden (§57 PflBG).

    Ausbildungsstart: September 2020; b. Bed. sind auch April-Kurse möglich.

    Zugangsvoraussetzungen (§ 10 PflBG) wie bisher: Mittlerer Schulabschluss od. 10 Jahre allg. Schulbildung od. Hauptschulabschluss in Verbindung mit Helferausbildung (mind. 1 Jahr) od. abgeschlossener zweijähriger Berufsausbildung + kein Verhalten, aus dem sich Unzuverlässigkeit zur Ausübung des Berufs ergibt + gesundheitliche Eignung + erforderliche Deutschkenntnisse (B2).

    Ausbildungsdauer (§ 6 PflBG): drei Jahre in Vollzeit, in Teilzeit höchstens fünf Jahre.

    Struktur (§ 6 PflBG, § 1 PflAPrV): mind. 2.100 Stunden theoretischer und praktischer Unterricht sowie mind. 2.500 Stunden praktische Ausbildung. Die Stundenverteilungen sind in Anlage 6 und 7 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflAPrV) geregelt.

    Theoretischer und praktischer Unterricht (§ 2 PflAPrV): Die Pflegeschule erstellt ein schulinternes Curriculum unter Berücksichtigung der Empfehlungen im Rahmenlehrplan nach § 51 PflAPrV. Die ersten beiden Jahre werden grundsätzlich generalistisch ausgebildet.

    Wahlrecht (§ 59 PflBG): Die besonderen Abschlüsse „Altenpfleger/-in“ bzw. „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in“ können gewählt werden, wenn im Ausbildungsvertrag ein Vertiefungseinsatz in dem jeweiligen Bereich vereinbart ist. Die theoretische Ausbildung muss dann im dritten Ausbildungsjahr an einer Schule stattfinden, die diesen spezifischen Unterricht anbietet. Das Wahlrecht kann zwischen dem 18.–20. Ausbildungsmonat ausgeübt werden, dann ist der Ausbildungsvertrag entsprechend anzupassen. Diese besonderen Abschlüsse sind in der EU nicht anerkannt. Zudem gelten die Vorbehaltsaufgaben nur für den Tätigkeitsbereich des besonderen Abschlusses.

    Praktische Ausbildung (§ 3 PflAPrV): Zu Beginn sog. „Orientierungseinsatz“ mit 400 Std. bei dem Träger der praktischen Ausbildung; innerhalb der ersten zwei Ausbildungsjahre zudem je 400 Std. sog. „Pflichteinsätze“ in der akutstationären, langzeitstationären und ambulanten Pflege. Im dritten Ausbildungsjahr ein sog. „Vertiefungseinsatz“ mit 500 Std. erneut bei dem eigenen Träger. Dazu kommen noch Einsätze in der Psychiatrie (120 Std.), Pädiatrie (60-120 Std.) und 160 Std. Sonstiges.

    Praxisanleitung (§ 6 PflBG): mind. 10 % der während eines Einsatzes zu leistenden praktischen Ausbildungszeit muss von den Einrichtungen als Praxisanleitung gewährleistet werden. Die bis 2019 ausgebildeten Praxisanleitenden werden anerkannt. Ab 2020 sind 300 Std. berufspädagogische Zusatzqualifikation als neue Praxisanleitende nachzuweisen sowie kontinuierliche, insbesondere berufspädagogische Fortbildung im Umfang von mind. 24 Std. jährlich von allen Praxisanleitenden (§ 4 PflAPrV).

    Praxisbegleitung (§ 5 PflAPrV): mind. ein Besuch einer Lehrkraft je Orientierungs-, Pflicht- und Vertiefungseinsatz zur Unterstützung der praktischen Ausbildung.

    Zwischenprüfung (§ 7 PflBG): zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt, um Förderbedarfe zu erkennen und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.

    Verantwortung: Die Pflegeschule trägt die Gesamtverantwortung für die Koordination des Unterrichts mit der praktischen Ausbildung (§ 10 PflBG). Einrichtungen, in denen die praktische Ausbildung überwiegend stattfindet (Träger der praktischen Ausbildung), tragen die Verantwortung für die Durchführung der praktischen Ausbildung einschließlich ihrer Organisation (§ 8 PflBG). Damit kommt der praktischen Ausbildung ein hoher Stellenwert zu.

    Ausbildungsplan (§ 3 Abs. 3 PflAPrV): Im Ausbildungsplan wird die genaue zeitliche Reihenfolge der praktischen Ausbildung festgelegt. Eine Orientierung gibt der Bundesrahmenausbildungsplan (§ 51 PflAPrV), mit dem voraussichtlich Mitte 2019 zu rechnen ist.

    Ausbildungsnachweis (§ 3 Abs. 5 PflAPrV): Die Auszubildenden müssen einen Ausbildungsnachweis führen. Der Ausbildungsnachweis ist von der Pflegeschule so zu gestalten, dass sich aus ihm die Ableistung der praktischen Ausbildungsanteile in Übereinstimmung mit dem Ausbildungsplan und eine entsprechende Kompetenzentwicklung feststellen lassen. Es wird dazu einen Musterentwurf vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) entwickelt (§ 60 Abs. 5 PflAPrV).

    Fehlzeiten (§ 13 PflBG): max. 10 % Theorie; max. 10 % Praxis, aber max. 25 % der Pflichteinsätze (§ 1 Abs. 4 PflAPrV).

    Fondsfinanzierung (Abschnitt 3 PflBG + PflAFinV): Einzahlung: Krankenhäuser + stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen + Land + Pflegeversicherung; Auszahlung: je ein Ausbildungsbudget für Pflegeschulen und für Träger der praktischen Ausbildung. Mehrkosten der Ausbildungsvergütung: Anrechnung bei Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen im Verhältnis 9,5 zu einer examinierten Pflegefachperson; bei ambulanten Pflegeeinrichtungen im Verhältnis 14 zu 1.

    Hochschulische Pflegeausbildung (§ 37 PflBG): Die primärqualifizierende Pflegeausbildung an Hochschulen befähigt zur unmittelbaren Tätigkeit an zu pflegenden Menschen aller Altersstufen und verfolgt gegenüber der beruflichen Pflegeausbildung ein erweitertes Ausbildungsziel:
    – Befähigung zur Steuerung und Gestaltung hochkomplexer Pflegeprozesse auf der Grundlage wissenschaftsbasierter oder wissenschaftsorientierter Entscheidungen u. a. durch vertiefte kritisch-reflexive und analytische Kompetenzen.
    – Befähigung vertieftes Wissen über Grundlagen der Pflegewissenschaft anzuwenden sowie forschungsgestützte Problemlösungen wie auch neue Technologien in das berufliche Handeln übertragen zu können und an der Entwicklung von Qualitätsmanagementkonzepten, Leitlinien und Expertenstandards mitzuwirken.

Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

München, 30.11.2018 Claudia Hauck