AktuellesBerufsfachliche / Berufspolitische Informationen für unsere Mitglieder

  • Mit der Mini-Serie „Ehrenpflegas“ im Rahmen der Kampagne „Mach Karriere als Mensch“ (https://www.pflegeausbildung.net letzter Aufruf 16.10.2020) erntete das dafür verantwortliche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend scharfe Kritik. Es wurde der Versuch unternommen mit bekannten Schauspielern im Stil des Films „Fack ju Göthe“ junge Menschen auf den Pflegeberuf und die neue Ausbildung aufmerksam zu machen. Die Stilmittel sind originell, die inhaltlichen Botschaften, die transportiert werden sollten, leider überhaupt nicht, sondern völlig veraltet und klischeebehaftet. Diese Form der Werbung halten wir nicht für gelungen und plädieren für die Einstellung der Serie. Zudem fordern wir den stärkeren Einbezug der Berufsgruppe bei der Erstellung solcher Formate.

 

  • Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) wurde beauftragt, den Nationalen Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ zu überarbeiten. Die Konsultationsfassung war von Juli bis September 2020 öffentlich zugänglich, damit Rückmeldungen und Stellungnahmen eingereicht werden können. Nach der Einarbeitung der Anmerkungen wird der Standard den Vertragsparteien nach § 113 Abs. 1 SGB XI (Auftraggeber) vorgelegt. Diese entscheiden dann über die gesetzliche In-Kraft-Setzung. Damit müssten die darin aufgeführten Maßnahmen finanziert werden. Da der Standard aktuelles pflegefachliches Wissen zum Thema Mobilität beinhaltet, ist er jedoch auch ohne gesetzliche Legitimation für alle Pflegefachpersonen verbindlich.

 

  • FIT Nursing Care: auf dieser deutschsprachigen Plattform sind mehr als 1000 aktuelle internationale Studien von Schweizer Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftlern analysiert und bewertet worden. Mit einem kostenpflichtigen Zugang können sich Einrichtungen und Privatpersonen über aktuelles evidenzbasiertes Pflegewissen informieren und auch selber Fragen aus der Praxis formulieren: https://www.fit-care.ch/ (letzter Aufruf 11.08.2020; der 120 Sek. Film auf der Startseite informiert über die Plattform)

 

  • Aktuelles zur pflegerischen Selbstverwaltung:
    • Nordrhein-Westfahlen: Hier kommt die Entwicklung der Pflegekammer gut voran und der Errichtungsausschuss organisiert den Start der Pflegekammer, der im März 2022 zu erwarten ist. Sandra Postel, bisherige Vize-Präsidentin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, wechselte als Vorsitzende des Errichtungsausschusses nach Nordrhein-Westfahlen.
    • Pflegekammer Schleswig-Holstein: Aufgrund der Anschubfinanzierung der Landesregierung konnten die ersten Jahre der Aufbauarbeit beitragsfrei gestaltet werden. Mit einem Jahreseinkommen zwischen 30.000-35.000 € sind künftig jährlich 119 € Beitrag zu zahlen.
    • Pflegekammer Niedersachsen: Die Niedersächsische Sozialministerin hat sich nach einer Umfrage unter den Mitgliedern, trotz deren geringer Beteiligung (19%), aufgrund der Ergebnisse (70,6 % der teilnehmenden Mitglieder sprachen sich gegen den Fortbestand der Kammer aus, nur 22,6 % stimmten dafür), dazu entschlossen, die Pflegekammer nach nur zwei Jahren wieder aufzulösen. Hier zeigt sich Politikversagen auf ganzer Linie. Anstatt die Pflegekammer mit einer Anschubfinanzierung zu unterstützen, wendet sich die Regierung gegen die Kammer, sobald sich dazu die erste Gelegenheit bot. Der Start der Pflegekammer Niedersachsen verlief nicht ganz reibungslos und es gab auch einige schwere Kommunikationsfehler. Dennoch ist es ein Bärendienst für die Profession Pflege, gleich bei erster Gelegenheit „den Stecker“ zu ziehen.
    • Baden-Württemberg: u. a. nach den Entwicklungen in Niedersachsen hat Sozialminister Lucha den Gesetzentwurf zur Errichtung einer Pflegekammer zurückgezogen und erstmal auf Eis gelegt. Dies ist besonders bedauerlich aufgrund des hohen Zuspruchs der Pflegekräfte in der Umfrage.
    • Pflegekammer Rheinland-Pfalz: die Pflegekammer hat die Regierung gebeten, gesetzlich zu regeln, dass wegen der Corona-Pandemie die Kammerwahlen verschoben werden können. Dies löste bei der Ärztekammer große Empörung aus, da diese von Änderungen in der Kammer-Gesetzgebung ebenfalls betroffen ist und sich in die Entscheidung nicht rechtzeitig mit einbezogen gefühlt hat. Da allerdings nur der „kann“-Fall geregelt werden sollte, ist diese Reaktion nicht ganz nachvollziehbar. (Stellungnahme siehe unter: https://www.pflegekammer-rlp.de/index.php/news-lesen-130/berufliche-pflege-laesst-sich-nicht-von-aerztekammer-bevormunden.html letzter Aufruf 16.10.2020)

München, 20.10.2020 Claudia Hauck