AktuellesBerufsfachliche / Berufspolitische Informationen für unsere Mitglieder

– PFLEGE Aktuell COVID-19 Spezial – 

 

Aktuelles pflegerisches Fachwissen und berufspolitische Forderungen:

 

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) sieht im Falle einer Epidemie eine Übertragung wesentlicher Aufgaben auf Pflegefachpersonen vor. Unter § 5 wird die Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten bei Vorliegen einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite für folgende Personen geregelt:

  • Altenpflegerinnen und Altenpfleger
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*innen
  • Gesundheits- und Krankenpfleger*innen

Unter folgenden Bedingungen ist die Ausübung während der epidemischen Lage gestattet:

  • Wenn die Person auf der Grundlage der in der jeweiligen Ausbildung erworbenen Kompetenzen und ihrer persönlichen Fähigkeiten in der Lage ist, die jeweils erforderlichen Maßnahmen eigenverantwortlich durchzuführen und
  • der Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten nach seiner Art und Schwere eine ärztliche Behandlung im Ausnahmefall einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite nicht zwingend erfordert, die jeweils erforderliche Maßnahme aber eine ärztliche Beteiligung voraussetzen würde, weil sie der Heilkunde zuzurechnen ist.

Die durchgeführte Maßnahme ist in angemessener Weise zu dokumentieren. Sie soll unverzüglich der verantwortlichen Ärztin oder dem verantwortlichen Arzt oder einer sonstigen die Patientin oder den Patienten behandelnden Ärztin oder einem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.
Übernehmen Sie diese Tätigkeiten nur, wenn Sie sich sicher fühlen. Mit der Durchführung übernehmen Sie aus haftungsrechtlicher Sicht auch die Verantwortung dafür. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob die Betriebshaftpflichtversicherung für diesen Fall greift. Diese Fragestellung klären wir derzeit auch mit unserem Berufs-Haftpflichtversicherer, bei dem Sie durch Ihre Mitgliedschaft versichert sind.

 

Am 07.04.2020 wurde der erste Bericht zur Situation der professionellen Pflege im weltweiten Vergleich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Counsil of Nurses (ICN) veröffentlicht. Von den Regierungen weltweit wird u. a. gefordert, in die Pflegebildung zu investieren, die Datenerhebung im Gesundheitswesen auszubauen sowie die pflegerische Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sektoren zu fördern.
Wer ausführlich selber nachlesen möchte: https://www.who.int/publications-detail/nursing-report-2020 (letzter Aufruf 28.04.2020).

 

Das ICN hat die 12 wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie als Forderungen an die Verantwortlichen in allen Ländern der Welt gestellt. Damit Sie über diese berufspolitischen Entwicklungen informiert sind, führen wir Sie hier in eigener Übersetzung (ohne Gewähr) auf:

    1. Vordringliche Zuteilung einer ausreichenden Menge hochwertiger, angemessener persönlicher Schutzausrüstung (PSA) an Pflegende und anderes Gesundheitspersonal.
    2. Sicherstellung der angemessenen evidenzbasierten Ausbildung aller Pflegefachpersonen in Infektionsprävention und -kontrolle sowie aktuellste Anleitungen und Schulungen spezifisch zu COVID-19.
    3. Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens von Pflegefachpersonen und anderem Gesundheitspersonal.
    4. Rasche Implementierung umfassender Überwachungssysteme zur Nachverfolgung und Identifizierung von Infektionen bei Beschäftigten im Gesundheitswesen.
    5. Finanzieller Schutz und angemessene Verfügung von Pflegefachpersonen.
    6. Bereitstellung einer sicheren und effektiven Registrierung und Regulierung, wenn das Pflegepersonal aufgebaut wird.
    7. Gewährleistung eines zeitnahen, sicheren und wirksamen Einsatzes des Pflegepersonals in Bereichen mit hohem Bedarf und hoher Komplexität.
    8. Neue Modelle zur Pflege und innovativen Versorgung anregen, entwickeln und fördern.
    9. Öffentliche Unterstützung zeigen und den Wert des Pflegepersonals für die Gesellschaft anerkennen.
    10. Auf Steuerungspotential der Pflege setzen.
    11. Eine verlässliche, koordinierte COVID-19-Strategie für die Gesundheit der Bevölkerung entwickeln und umsetzen – mit aktiver und maßgeblicher Beteiligung der Pflege.
    12. Von der COVID-19-Pandemie lernen, um künftig besser vorbereitet zu sein.

Weitere Informationen über die ICN Positionierung finden Sie im Original unter: https://www.icn.ch/sites/default/files/inlinefiles/PR_15_ICN%20COVID%20Top%20Priorities_LW%20edits_FINAL.pdf (letzter Aufruf 15.04.2020).

Besonders wegen Punkt 12 der ICN Forderungen freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir für unsere nächste Fachtagung „Neues PflegeWISSEN nutzen – Aus der Hochschule für die Praxis“ genau dieses Thema geplant haben:
Die Krise als Chance!? Eine pflegerische Perspektive auf die COVID-19 Pandemie“.
Bitte merken Sie sich den Mittwoch, 10.03.2021 bereits vor.
Sie finden den Flyer im Herbst auf unserer Homepage.

München, 30.04.2020 Claudia Hauck